KARL-MAY-FILME


Durch die Wüste

Deutschland (Deutsches Reich) 1935

ALLE BILDER AUS DEM FILM "DURCH DIE WÜSTE" NACH DEM GLEICHNAMIGEN ROMAN VON KARL MAY
COPYRIGHT ©1935
PRODUKTION: LOTHAR STARK-FILM G.M.B.H.
VERLEIH: SYNDIKAT-FILM
WELTVERTRIEB: TOBIS-CINEMA-FILM-A.G.


Durch die WüsteDurch die WüsteDurch die WüsteDurch die Wüste Film-Programm "Durch die Wüste"
Durch die Wüste

Fred Raupach  (Kara Ben Nemsi)
Heinz Evelt  (Hadschi Halef Omar)
Erich Haussmann  (Abu Seif)
Aruth Wartan  (Scheich Malek)
Katharina Berger  (Senitza)
Gretel Wawra  (Hanneh)

Herbert Gernot  (Diener von Abu Seif)
Berthold Reissig  (Begleiter von Abu Seif)
Franz Klebusch  (Händler in Mekka)


REFERENZ

Erscheinungsjahr1936  (EA 20.02.1936)
RegieJ. A. Hübler-Kahla
DrehbuchCarl Junghans
MusikGottfried Huppertz
TonMartin Müller, Joachim Thurban
KameraGeorg Muschner und Paul Rischke
SchnittWalter von Bonhorst
ProduktionLothar Stark G.M.B.H., Berlin
FilmFilm (sw), 35 mm
Original-Film (KINO)2412 m = 88 min.
TV/VIDEO/DVDca. 85 min.
Zensur:für Jugendliche freigegeben (1936)
FSK:Ab 12 Jahren (* nach 1945)

INHALT

Karl May - Kara Ben Nemsi - durchquert mit seinem treuen Diener Halef die gleißende, gefahrvolle Wüste auf dem Wege nach der Heiligen Stadt, die vor ihm noch nie eines Weißen Fuß betrat.

Da stößt er, vom Schwarm der Geier angezogen, die einen Toten umkreisen, auf die Spur des großen Räubers Abu Seif und beschließt, den Ermordeten zu rächen. Der treue Diener Halef führt Kara Ben Nemsi direkt in die Hände Abu Seifs, der ihn mit feindlichem Misstrauen entlässt und ihn in die Falle des großen Salzsumpfes schickt, um ihn dort des Führers zu berauben und dem sicheren Verderben preiszugeben. Karas Kaltblütigkeit findet aber den rettenden Weg aus dem Tal des Todes.

In der nächsten Stadt verändert Kara Ben Nemsi sein Aussehen. Sein Ruhm als Arzt dringt zu dem reichen Ibrahim Mamur. Kara kommt in sein Haus, um seine Lieblingsfrau Senitza von schwerer Krankheit zu heilen und entdeckt in Mamur seinen Todfeind Abu Seif. Kara erfährt aus Halefs Munde, dass Senitza seinem Freunde, dem Scheich Malek, von Abu Seif geraubt worden ist. Kara entführt die Tochter Maleks in abenteuerlicher Flucht und gibt sie dem dankbaren Scheich zurück.

Auf der Fahrt über das Meer wird Kara von Abu Seif eingeholt und überfallen. Schwer gefesselt wird er und sein Diener Halef an Bord eines Schiffes gebracht. Sie befreien sich nun während eines Schiffsbrandes und erreichen schwimmend das rettende Land - nur um sich in den Dursttod der Wüste zu retten; denn Abu Seif hält das einzige Wasserloch Meilen vor ihnen besetzt und sprengt es in die Luft, als der Stamm der ihm feindlichen Ateibeh naht und ihn verfolgt.

An dem verschütteten Brunnen scheint den völlig Erschöpften das Ende zu nahen. Wie eine Fata Morgana kommt im letzten Moment Senitza, die Tochter Maleks, und rettet Kara und seinen Diener Halef.

Scheich Malek beschenkt Kara mit dem versprochenen Wunderhengst Rih. Maleks Herz ist von Trauer erfüllt, denn Abu Seif hat den Stamm der Ateibeh vom Wasser des Heiligen Brunnens ausgeschlossen. Halef erbietet sich, die Tochter des Scheichs, Hanneh, zu begleiten und das Wasser zu holen, damit der Stamm der Ateibeh vom Fluche befreit wird. Malek verspricht ihm Hanneh zum Weibe und sendet ihn mit ihr auf die gefährliche Reise.

Nachts sattelt Kara den Wunderhengst Rih und folgt Halef nach der Heiligen Stadt. Senitza aber verstellt ihm den Weg und warnt ihn vor den Gefahren dieses Unternehmens. Als sie jedoch Karas unstillbare Sehnsucht erkennt, das Wunder mit eigenen Augen zu schauen, begleitet sie ihn bis vor die Heilige Stadt.

Kara erlebt das Wunder des heiligen Meteors und wird von Abu Seif erkannt, Eine tolle Jagd nach dem Ungläubigen beginnt. Kara rettet sich auf dem Wunderhengst Rih, während Senitza die Verfolger ablenkt. In einem Felsental stellt Kara den verfolgten Abu Seif zum Zweikampf, überwältigt ihn und bringt ihn gefesselt ins Lager der Ateibeh. Halef kehrt mit Hanneh heil zurück und übergibt dem Scheich Malek das heilige Wasser. Der Scheich gibt ihm als Dank seine Tochter Hanneh zum Weibe.

Während der Gerichtssitzung über Abu Seif fallen dessen Leute über das Lager der Ateibeh her. Abu Seif gelingt es, sich zu befreien. Kara Ben Nemsi nimmt seine Verfolgung auf, schneidet ihm den Rückweg ab und drängt ihn in einen Sumpf, wo er seinen Tod findet. Kara besteigt sein treues Pferd Rih und reitet mit Halef neuen Abenteuern entgegen.


BUCHVORLAGE

Der erste Tonfilm ist direkt dem ersten Buch der Gesammelten Werke entnommen, "Durch die Wüste". Bei der Wahl der Hauptdarsteller hat der Produzent ein sehr gutes Auge gezeigt: Fred Raupach stellt die Rolle des Kara Ben Nemsi wohl am überzeugendsten dar, er sieht so aus, wie man sich Karl May auf seinen Reisen wohl vorstellt: Durchschnittliche Figur, einen Vollbart und einen Turban. Auch Hadschi Halef Omar ist sehr gut getroffen, bis auf die Ausnahme, dass man bei genauerem Zuhören einen leicht sächsischen Akzent hört.

Der Film beginnt, wie auch der Roman, mit dem Ritt der beiden Hauptdarsteller durch die Wüste, wo sie einen Toten finden und begraben. Die Identität dieses Mannes ist im Film nicht wichtig, dafür aber umso mehr im Buch. Kara und Halef folgen der Spur des Mörders, der sich bald als Abu Seif zu erkennen gibt. Der Mörder im Roman, Hamd el Amasat, kommt im Film gar nicht vor. Die beiden ziehen weiter, doch fallen direkt in die Hände Abu Seifs, der sie aber nach einer Diskussion wieder entlässt. Sie mieten sich einen Führer über den Salzsee, doch mitten im Sumpf erschießt Abu Seif den Führer, so dass Kara selbst zum Ufer finden muss und so in die nächste Stadt gelangt. Im Roman ist dieser Führer der Vater Omar Ben Sadeks, der wiederum von Hamd el Amasat erschossen wird. Die Rache Omars wird im Roman "Durch die Schluchten des Balkan" wieder aufgenommen.

In der nächsten Stadt gibt Halef Kara als Hekim aus, so dass ein Diener Ibrahim Mamurs ihn bittet, der Frau seines Herrn, Senitza, zu helfen, die erkrankt ist. Kara nimmt an und fährt mit zu dem Haus Mamurs, wo er sich mit Senitza unterhalten kann und merkt, dass sie von Mamur gefangen gehalten wird. Er beschließt, sie zu befreien, doch fährt vorerst wieder zurück. Hier trifft er Scheich Malek, den Vater Senitzas, der sie sucht. Zusammen mit ihm und Halef befreit er am Abend Senitza und verlässt die Gegend mit dem Schiff. Der Unterschied zum Roman besteht in diesen Szenen darin, dass Senitza nicht die Tochter Maleks, sondern die Frau Isla Ben Mafleis ist, der aber im ganzen Film nicht auftaucht. Im Roman "Von Bagdad nach Stambul" trifft Kara ihn auf seinen Reisen wieder.

Nun folgt im Film ein Sprung, der eigentlich unverständlich ist: Kara und Halef stehen auf einem Schiff und sehen ein anderes Schiff nahen, auf dem sich Abu Seif befindet. Karas Schiff wird überfallen und Kara und Halef gefangen. Doch sie können sich befreien und in die Wüste gelangen. Im Roman gehen die beiden nach Dschidda, einer Stadt mitten in der Wüste, von wo aus sie mehrere Ausflüge unternehmen und so auch zu den Ateibeh kommen. Dort trifft er auch Sir David Lindsay zum ersten Mal.

Im Film kommen die beiden zum Brunnen der Ateibeh, der jedoch gerade von Abu Seif in die Luft gesprengt wird (diese Szene kommt im Roman nicht vor). Kara und Halef stehen kurz vor dem Verdursten, ehe sie von Senitza gerettet werden, die sie entdeckt und zu den Ateibeh bringt. Wie schon gesagt, ist im Buch Senitza nicht die Tochter Scheich Maleks, sondern die Figur, die Kara und Halef findet, heißt Amscha, und ist die Tochter Maleks. Im weiteren Verlauf sind die beiden Rollen jedoch identisch, Senitza im Film ist Amscha im Buch.

Nachdem beide im Lager der Ateibeh sind, erfahren sie, dass der Stamm verflucht ist und nicht mehr nach Mekka reisen kann, um dort heiliges Wasser zu holen. Auch geheim kann kein Ateibeh dorthin, da alle Krieger in Mekka bekannt sind. Die einzige Möglichkeit besteht darin, dass Hanneh, die jüngste Tochter Maleks dorthin geht, doch sie hat keinen Mann, und ohne Begleitung hat sie keinen Zutritt. Halef kommt jedoch die Idee einer Scheinheirat. Er will Hanneh zum Schein heiraten und mit ihr nach Mekka gehen, um Wasser zu holen. Er würde, wie er heimlich zugibt, jedoch gerne länger mit ihr verheiratet bleiben.

Halef und Hanneh reiten also nach Mekka, um Wasser zu holen, während Kara im Lager der Ateibeh bleibt. Doch nach kurzer Zeit will er nachreiten, um auch die heilige Stadt zu sehen, und Senitza (Amscha) begleitet ihn bis vor die Tore Mekkas, um dort auf ihn zu warten. Kara betritt Mekka, doch wird nach kurzer Zeit von Abu Seif entdeckt und muss fliehen. Auch Halef flieht mit Hanneh.

Alle reiten zurück zum Lager der Ateibeh, und Abu Seif verfolgt sie. Kara kann ihn jedoch fangen und nimmt ihn als Geisel mit. Dort wird über ihn beraten, doch kann er währenddessen entkommen. Er flieht, Kara läuft ihm nach und jagt ihn in einen Sumpf, wo Abu Seif ertrinkt.

Im Roman ist das Ende etwas anders: Während Halef nach Mekka geht, ziehen die Ateibeh in eine nur ihnen bekannte Höhle weiter, um auf Halef und Hanneh zu warten. Nachdem Kara entdeckt wird, fliehen alle zu dieser Höhle. Dort wird Abu Seif gefangen. Er entkommt, wird jedoch von Halef verfolgt und getötet. Daher darf Halef Hanneh behalten.

Alles in allem gehört dieser Film wohl zu den Originalgetreuesten. Die Handlung des Buches lässt sich sehr gut erkennen, und an einigen Stellen sind sogar die Dialoge fast identisch (Am Anfang beim Toten und in der Szene, wo Kara Senitza sehen will, Ibrahim Mamur das jedoch zuerst nicht zulassen will). Im Film sind jedoch einige Sprünge, die nicht nachzuvollziehen sind, besonders am Anfang. Vom Ritt durch die Wüste zum Angriff Abu Seifs zum Lager Abu Seifs zum Ritt über den Salzsee und dann die Szenen mit Senitza. Auffällig ist auch, dass in diesem Film sehr wenig geredet wird, dafür umso mehr Musik läuft. Besonders die Szenen in Mekka kommen fast fünf Minuten lang ohne Gespräch aus. Dass an einigen Stellen die Originalhandlung etwas geändert wurde, ist verzeihlich. Wenn Senitza nicht die Tochter Scheich Maleks wäre, würde die ganze Befreiung keinen Sinn machen. Im Roman legt sie den Grundstein für weitere Erlebnisse, auch für die Erzählung "Der Schut", der ja auch verfilmt wurde und seine Ursprünge am Anfang von "Durch die Wüste" hat, nämlich die Jagd Omars auf Hamd el Amasat.

Zusammenfassend kann man sagen, dass dieser Film als Abenteuerfilm ohne May-Hintergrund eher langweilig ist und einem Zuschauer, der den Roman nicht gelesen hat, wohl auch etwas komisch erscheint. Als May-Fan sollte man ihn jedoch gesehen haben, er ist irgendwie faszinierend.

(bk)

INFO + KOMMENTAR

* Dieser Film wurde allerdings bisher niemals im TV gezeigt! Auch im Kino lief der Karl-May-Film "Durch die Wüste" nur in den 30er-Jahren (EA 20.02.1936, Dresden. Danach erfolgte der Kinostart ab 06.03.1936). Eine Wiederaufführung nach dem 2. Weltkrieg fand niemals statt. Ausnahme: Das Zeughauskino (Deutsches Historisches Museum) zeigte diesen Film vor einigen Jahren zweimal im Rahmen eines Sonderprogramms (DHM-Ausstellung Karl May).

Alle hier abgebildeten Fotoszenen stammen aus einem ominösen Video mit Timecode.

Seit 12/2010 ist der Film nun endlich (auf DVD) erhältlich.

(sk)




DVD "Durch die Wüste"  © Spirit Media GmbH (03.12.2010)
Tonfilm in s/w, ca. 85 Min., Audio: Deutsch, ab 12 Jahren (FSK-Kennzeichen)