KARL-MAY-FILME


Die Sklavenkarawane

Deutschland / Spanien 1958

ALLE BILDER AUS DEM FARBFILM NACH DEN ROMANEN "SKLAVENKARAWANE" UND "DURCH DIE WÜSTE" VON KARL MAY
COPYRIGHT ©1958
PRODUKTION: D.C.F. H. NEUBERT K.G.-SAIZ-PRODUKTION
VERLEIH: BAVARIA
WELTVERTRIEB: TRANSOCEAN-FILM


Die SklavenkarawaneDie SklavenkarawaneDie SklavenkarawaneDie Sklavenkarawane

Plakat "Die Sklavenkarawane"
(EA Bavaria 1958)
Die Sklavenkarawane

Viktor Staal  (Kara Ben Nemsi)
Georg Thomalla  (Hadschi Halef Omar)
Theo Lingen  (Sir David Lindsay)
Mara Cruz  (Senitza)
José Guardiola  (Abu el Mot)
Fernando Sancho  (Prof. Ignaz Pfotenhauer)
Rafael Luis Calvo  (Murad Ibrahim)
Julio Nunez  (Hamid)
Antonio Casas  (Mudir)
Barta Barry  ()
Manuel Martin  ()
Juan Qlaguibal  ()


REFERENZ

Erscheinungsjahr1958  (EA 12.12.1958)
RegieGeorg Marischka & Ramon Torrado
DrehbuchGeorg Marischka
MusikUlrich Sommerlatte
KameraAlfredo Fraile
SchnittClaus von Boro
FilmFarbfilm, 35 mm, Eastman Color
Film-KopieBavaria-Kopie in Agfacolor
Original-Film (KINO)2729m = 99 min, später gekürzt auf 2693m = 98 min
TV/VIDEO/DVD *ca. 95 min.
FSK:Ab 6 Jahren
Prädikat"wertvoll"

* Die Differenz zur Kinofilm Laufzeit erklärt sich durch die um ein Bild pro Sekunde höhere Video Bildfrequenz. (KINO 24 Bilder/Sek.) (TV 25 Bilder/Sek.) (PAL-SYSTEM)


INHALT

Die Gegend beiderseits des oberen Nils wird von Sklavenjägern terrorisiert. Der Mudir von Faschoda versucht in seiner Eigenschaft als Statthalter dieses Landstriches seit langer Zeit vergeblich, den Sklavenhandel zu beseitigen und besonders des gefürchtetsten Sklavenjägers Abu el Mot habhaft zu werden. Da der Mudir eine strenge Gerichtsbarkeit eingeführt hat, zittern alle Einwohner des Landes vor ihm. Durch dieses Gebiet reitet Kara Ben Nemsi mit seinem treuen Freund Hadschi Halef Omar.

Beide haben sich einer Karawane angeschlossen, die nach Faschodah unterwegs ist, wo Kara sich mit seinem Freund Ignaz Pfotenhauer, einem Münchner Gelehrten, verabredet hat. Doch trifft er diesen bereits unterwegs in einer Oase, und in seiner Gesellschaft lernt er Sir David Lindsay kennen, einen überspannten und reichen Engländer, der den Spleen hat, die Gegend nach alten Steinen zu durchsuchen.

Karas Verdacht, dass Abu el Mot der Karawane auflauern will, bestätigt sich noch in derselben Nacht. Durch eine Unvorsichtigkeit Halefs schlagen die Abwehrmaßnahmen fehl, und alle außer Kara und Halef geraten in die Hände der Sklavenjäger.

Zu Fuß schleppen sich Kara und Halef durch die Wüste bis an den Nil, wo sie sich ein Boot chartern wollen, um rasch nach Faschodah kommen zu können und dort beim Mudir Rettung für ihre gefangenen Freunde zu erbitten. Ein Zufall kommt ihnen dabei zur Hilfe. Kara, der als großer Arzt gilt, wird von dem reichen Murad Ibrahim gerufen, dessen kranke Frau zu untersuchen.

Dabei stellt sich nicht nur heraus, dass sich die Kranke, das Mädchen Senitza, nur gezwungenermaßen im Hause Murads aufhält, sondern auch, dass dieser selbst ein Verbündeter Abu el Mots ist. Unter großen Schwierigkeiten gelingt es Kara, aus dem Haus Murads zu entkommen und obendrein noch Senitza zu befreien. Mit einem Boot entweichen sie den Verfolgern. Dabei hat sich ihnen noch der Sklave Hamid angeschlossen, der zu Murads Dienerschaft gehörte und Senitza liebt.

In Faschodah erkennt Kara beim Gespräch mit dem Mudir dessen strenge Willkürherrschaft und beschließt, seine gefangenen Freunde auf eigene Faust zu retten.

In der Seriba, dem Sklavenlager Abu el Mots, haben inzwischen Lindsay und Pfotenbauer einen Fluchtversuch unternommen, der jedoch fehlschlug und sie in eine noch schlechtere Lage brachte. Kara gelingt es jedoch, das Lager zu finden und seine beiden Freunde zu befreien.

Alle kehren zum Boot zurück und bemerken zu ihrem Schrecken, dass dieses während ihrer Abwesenheit von Leuten Abu el Mots überfallen wurde, wobei Senitza und Hamid in die Gefangenschaft der Sklavenjäger geraten sind. Überdies haben sie erfahren, dass Abu el Mot einen Überfall auf das Negerdorf Omballa plant.

Um nun einerseits die beiden jungen Menschen zu retten und andererseits die Bewohner von Omballa zu warnen, macht sich Kara mit dem Neger Lobo allein auf den Weg dorthin, während alle anderen unter dem Befehl Halefs auf dem Boot den längeren Flussweg einschlagen. Unterwegs, bereits in drohender Nähe von Abu el Mot und seinen Leuten, werden Kara und Lobo von einem wütenden Rhinozeros attackiert. Kara muss schießen und wird deshalb von den Sklavenjägern bemerkt. Eine Übermacht überwältigt ihn, während Lobo entkommen kann und nach Omballa vorauseilt. Abu el Mot zieht nun triumphierend mit seinem Gefangenen zu dem Negerdorf, das in einem Talkessel gelegen ist.

Er ahnt nicht, dass die Einwohner gewarnt sind, dass sie das Dorf geräumt und die Höhen besetzt haben. Plötzlich muss er erkennen, dass er mit allen seinen Leuten in eine Falle gelaufen ist. Obendrein erscheinen auch noch Regierungstruppen unter der Führung des Mudir, wodurch ein Entkommen völlig aussichtslos wird. Abu el Mot droht daher, Kara Ben Nemsi auf qualvolle Weise umzubringen, wenn nicht freier Abzug gewährt wird. Unter seinen Leuten entsteht jedoch eine Meuterei, und auch Halef hat sich inzwischen todesmutig in das Tal geschlichen, um seinen Sihdi zu retten.

Der Mudir nutzt die Uneinigkeit der Sklavenjäger zum Angriff und besiegt die Feinde. Nur Abu el Mot kann entkommen, und zwar mit Senitza als Geisel. Kara verfolgt ihn über die Felsen, und ein wilder Kampf zwischen den beiden Todfeinden endet mit Abu el Mots tödlichem Absturz. Die Neger können in ihr Dorf zurückkehren, und während Hamid seine Senitza glücklich in die Arme schließt, Lindsay jedoch bereits wieder nach seltenen Steinen sucht, reiten Kara und Halef neuen Abenteuern entgegen.


BUCHVORLAGE

Der nächste May-Film wird über zwanzig Jahre später gedreht, 1958. Alles ist neu - vom Produzenten über die ganze Crew bis zu den Hauptdarstellern Viktor Staal und Georg Thomalla. Auch dass der Film in einer deutsch-spanischen Koproduktion gedreht wird, ist neu.

Als Vorlage des Films dient "Die Sklavenkarawane", ein Abenteuerroman von Karl May. Folgendes ist daran auffällig: Der ursprüngliche Roman ist keine Reiseerzählung Mays, sondern er handelt von den Abenteuern der Brüder Emil und Josef Schwarz, die den Sklavenjäger Abu el Mot jagen. Natürlich kommen daher im Roman auch nicht die Figuren Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar und Sir David Lindsay vor. Dafür taucht im Roman der Vogelprofessor Pfotenhauer auf, der jedoch in keinem Roman mit Kara Ben Nemsi zusammentrifft.

Die im Film auftretenden Figuren haben also ihre Romanvorlage in folgenden Figuren: Kara Ben Nemsi nimmt die Rolle der Brüder Schwarz, die im Roman fast nie zusammen auftreten, ein; für Halef gibt es im Roman kaum eine Entsprechung; ihn könnte man mit dem "Vater der elf Haare" und dem "Vater des Gelächters" vergleichen. Die Figur des Sir David gibt es jedoch im Roman gar nicht. Auch Pfotenhauer wird im Film etwas verzerrt dargestellt, da er eigentlich dort nur eine "Witzfigur" ist, während er im Roman zum Gelingen des Abenteuers erheblich beiträgt.

Doch nun zum Film. Am Anfang sehen wir die Karawane Karas und Halefs, die durch die Wüste nach Faschoda und nach dem Gebet in eine Oase zieht. Die Karawanenführer sind jedoch Männer von Abu el Mot, dem Anführer einer Gum, also Raubkarawane. Er will die Reisenden in der Nacht überfallen. Bis hierhin ist die Romanvorlage gleich. Man kann die Dialoge sogar fast wörtlich mitlesen. Doch jetzt kommt ein Unterschied: Während im Buch die Karawane besiegt wird und Schwarz nach Faschoda geht, um seine Gefangenen beim Mudir bestrafen zu lassen, werden im Film alle außer Kara und Halef gefangen. Daraufhin sind sie auf sich allein gestellt und ziehen weiter.

Hier geht der Film zu einer anderen Romanvorlage, "Durch die Wüste", über. Nachdem sie darüber geredet haben, dass Halef und sein Vorfahren nie in Mekka waren und daher auch keine Hadschis seien (in "Durch die Wüste" kommt Halef später nach Mekka und ist ein Hadschi), befinden sie sich in einem Haus. Hier beginnt wieder die Episode mit Senitza, als ein Diener von Murat Ibrahim kommt und Kara bittet, Senitza zu heilen. Die Originalfigur Abrahim Mamur heißt nach Ibrahim Mamur (Durch die Wüste) jetzt also Murat Ibrahim. Die Figur "Murat Ibrahim" gibt es im Roman tatsächlich, jedoch in einer anderen Funktion. Ein weiterer Unterschied zum Roman ist, dass Senitza nicht ihrem Vater, sondern ihrem Mann Hamid geraubt wurde, der jetzt ein Sklave von Ibrahim ist. Dieser bittet Kara, Senitza zu befreien, was der dann auch macht, wobei er Ibrahim am Arm verletzt. Dann flieht er mit Halef, Hamid und Senitza. Zur Erinnerung: Im Film "Durch die Wüste" wurde Senitza noch ihrem Vater geraubt; die Sklavenkarawane liegt damit näher an der Romanvorlage.

In Faschodah laufen Romanmotiv und Film wieder etwas näher zusammen. Im Film bittet Kara den Mudir, ihm bei der Suche seiner Freunde zu helfen, doch er kann auf dessen Hilfe nicht rechnen und zieht alleine los. Im Buch erfährt Schwarz, dass Abu el Mot es auf seinen Bruder und Pfotenhauer abgesehen hat, die sich in seinem Gebiet aufhalten. Daher eilt er schleunigst den Nil hinauf, um ihnen zu helfen.

Im Roman zerstreitet sich die Truppe Abu el Mots. Während er weg ist, zieht sein Unterführer Abd el Mot ihm nach und übergibt die Aufsicht einem dritten. Es entsteht eine Revolte, in deren Verlauf die Überbliebenen die Seriba abbrennen und wiederum Abu el Mot nachziehen, um ihn zu besiegen. In diesem Chaos können die beiden Sklaven Lobo und Tolo entkommen und flüchten, um auf Schwarz zu treffen. Beide wissen, dass Abu el Mot ausgezogen ist, um in Omballa Sklaven zu fangen.

Im Film wird das Boot Karas von Abu el Mot überfallen und Hamid und Senitza entführt. Kara trifft den entflohenen Lobo, der Mitglied seiner anfangs besiegten Karawane war, wieder  und erfährt von ihm, dass Abu el Mot das Negerdorf Omballa überfallen will. Kara und Gefährten ziehen sofort los, um die Bewohner zu warnen. Zwischenzeitlich können sie auch Lindsay und Pfotenhauer befreien, deren eigene Fluchtversuche nicht sehr erfolgreich waren. Sie ziehen nach Omballa, doch aufgrund eines Missgeschicks mit einem Nashorn gerät Kara in die Hände Abu el Mots.

Im Buch gerät ein Schwarz-Bruder in die Hände Abu el Mots, der ihn mit in die "Schlucht der Suren" nimmt. Dort wird Schwarz gefangen gehalten und beim Angriff seiner Freunde als Geisel benutzt. Diese Geisel ist im Film Kara. Halef hat den Mudir von Faschodah gerufen und mit ihm Omballa umstellt.

In beiden Fällen wird natürlich die Geisel befreit und Abu el Mot zur Strecke gebracht...

Alles in allem ist das Buch ordentlich verfilmt worden. Die Tatsache, dass statt den Schwarz-Brüdern Kara Ben Nemsi die Hauptrolle übernimmt, ist aufgrund der Vermarktung und Publicity wohl verständlich. Das einzig negative ist der relativ uncharismatische Viktor Staal, der zum Glück nur in einem Film mitgewirkt hat. Auch nicht so gut finde ich den Einbau der Senitza-Szene. Der Roman "Die Sklavenkarawane" bietet genug Motive, um zwei Stunden Film zu füllen. Wenn man bedenkt, dass die Szene beim Mudir in Faschodah, die im Buch nach ungefähr einem Fünftel kommt, im Film jedoch erst in der zweiten Hälfte auftaucht, kann man sich vorstellen, wie die Resthandlung gekürzt wurde.

Trotzdem wurde aus einem der besten May-Romane ein fast durchschnittlicher Film. Diese Tatsache beruht meiner Meinung nach ausschließlich auf dem uncharismatischen Viktor Staal und der Senitza-Szene, die ich (wie in "Durch die Wüste") langweilig finde. Der Rest ist ordentlich, besonders die Darstellungen von Hadschi Halef und Abu el Mot sind gelungen.

(bk)



Kino-Aushangfotos


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© 1958 Bavaria, "Die Sklavenkarawane"
Der Verleih Bavaria brachte insgesamt 36 Aushangbilder zur Erstaufführung/Ersteinsatz (EA 1958) heraus. Die Fotos waren coloriert auf Karton, 24x30 cm. Zur Wiederaufführung (WA 1964), von Columbia-Bavaria, liegen keine Infos über Aushangbilder vor.





DVD "Die Sklavenkarawane"  © Spirit Media GmbH (09/2011)